Experten-Interview von Christian Löffler mit Thomas Bulang und Julian Schultz zur Digitalstrategie Sachsen und dem Stand E-Health-Sax

1. Sachsen hat in seiner 2023 verabschiedeten Digitalstrategie das Ziel formuliert: 2030: besser, schneller, sicher. Welche Rolle spielt die DeGIV und die im Freistaat erstmals umgesetzte besondere Zugangsstruktur durch Gesundheitsterminals?

Julian Schultz: Das wĂŒssten wir auch gern (lacht).Ernsthaft, wir haben unter erschwerten Corona-Bedingungen ein wegweisendes Projekt startbereit gemacht und Lösungen fĂŒr diverse digitale Herausforderungen entwickelt. Allerdings hat sich die Erwartung, dass die Krankenversicherungen, Behörden und Institutionen die speziellen Chancen in Sachsen freudig nutzen, trotz zunehmendem Handlungsdruck auf deren Seite noch nicht bestĂ€tigt. Überraschend war bei einer strukturellen VerĂ€nderung wie dieser, die nicht morgen enden kann, die Erwartungshaltung und Ungeduld einiger Lokationen, welche offensichtlich ein viel höheres Tempo und mehr Engagement rund um digitalen Zugang fĂŒr Alle erwarten.

2. Ist das Projekt denn mit der Aufstellung nicht beendet?

Julian Schultz: Nein, das Projekt e-Health-Sax bzw. dessen Zweckbindung lĂ€uft mindestens bis ins FrĂŒhjahr 2026. Schließlich beginnt nach der Installation von Gesundheitsterminals in den Regionen die Wirkung erst durch Funktionsausbau und Hinzunahme weiterer Institutionen. Teil eins der Umsetzung hat bereits wertvolle Erkenntnisse gebracht, das VerstĂ€ndnis fĂŒr die einzige sozialdatenkonforme Digital-Plattform fehlt leider oftmals noch. Zumal mit jedem Release neue Optionen bestehen, welche zu hĂ€ufig ungenutzt bleiben.

3. Herr Bulang, Sie sind neuer Bereichsleiter des Lösungsmanagements, wie die DeGIV Ihre Kundenberatung nennt. Was hat sich denn konkret verÀndert?

Thomas Bulang: Der kontinuierlich zunehmend Umfang der Möglichkeiten hat mich nach meinem Start im letzten Sommer selbst beeindruckt. Die Interaktionsplattform ist an jedem Standort noch vielseitiger und dynamischer einsetzbar geworden und hat nun ganz konkrete Anwendungsbereiche von A wie Authentifizierung ĂŒber eine Self-service-eID, Arzttermine, BĂŒrgerservice, Bankenservice, FĂŒhrerscheintausch, iKFZ, Medikamentenbestellung, Online-Video-Beratung samt Telemedizin bis Z einer fallabschließenden Zahlung. Und noch viel mehr, wenn es um den „Digitalen Marktplatz“ geht, welcher mit den Banken und BĂŒrgerĂ€mtern gemeinsam umgesetzt werden soll. Die DeGIV bereitet vor, die Teilnehmer entscheiden, was in welcher Form bei Ihnen verfĂŒgbar sein soll. Dabei sind existierende Dienstleistungen herzlich willkommen.

4. Welche Rolle spielen da das Gesundheitsterminal und die Projektbeteiligten IKK classic und DAK-Gesundheit?

Thomas Bulang: Die Gesundheitsversorgung ist und bleibt Ursprung der DeGIV. Nicht nur weil unser GrĂŒnder und ich selbst Krankenkassenbetriebswirte sind, sondern weil die Herausforderungen in diesem Bereich die höchsten aller Branchen sind, und die Bedeutung fĂŒr flĂ€chendeckende Versorgung am grĂ¶ĂŸten ist. Die genannten Krankenkassen investieren Ressourcen und Geld in eine fĂŒr alle Menschen nutzbare und zunehmend wichtigere, sichere digitale Teilhabe und verbessern gleichzeitig das niederschwellige Serviceangebot. Mehrwerte fĂŒr alle Krankenkassen und Institutionen, die nur noch mitmachen mĂŒssen. ZusĂ€tzlich arbeiten wir zufĂ€llig ĂŒbereinstimmend mit den PlĂ€nen des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit an der digitalen Zielerreichung von Gesundheitskiosken. Schließlich sollte ein Behandlungspfad aus unserer Sicht immer schon einfach, kostenfrei und mehrsprachig in der Arztpraxis, Apotheke oder dem Krankenhaus beginnen. Als Nebeneffekt entstehen Grundlagen und Partnerschaften fĂŒr autonome telemedizinische Behandlungsstationen oder neue Servicekonzepte. Schließlich wird Personal rar und die Kosten steigen.

Auch wenn zunĂ€chst noch Funktionen hinzukommen mĂŒssen und werden, die heute in den Krankenkassen-Apps oder Web-Portalen vorhanden sind.

5. Sie haben die Krankenkassen-App angesprochen. Warum braucht es denn ĂŒberhaupt noch eine zusĂ€tzliche Zugangsstruktur?

Julian Schultz: Als IT-Verantwortlicher hĂ€tte ich viele technische GrĂŒnde zu nennen, aber ganz einfach gesagt, war und ist die Absicherung eines so „verbindungsfreudigen“ GerĂ€tes wie dem Smartphone und die damit ausĂŒbbaren Dinge wie Links öffnen, QR-Codes scannen und vieles mehr im krassen Gegensatz zu „privacy by default“ oder „privacy by design“. Es gibt nun einmal Informationen, die sollten besser nicht allzu öffentlich werden. Dies zu verhindern, wird zunehmend schwieriger oder aufwendiger und nicht jeder kann das administrieren.

Thomas Bulang: Es kann sich aber auch nicht jeder leisten, ein modernes high-tech-phone, einen Kartenleser oder neueste Hard- und Software zu kaufen. Manchmal ist es einfacher und viel bequemer, Anwendungen auf einem großen Touchdisplay ohne komplizierte -Anmeldeprocedere aufzurufen oder ein Passwort neu in einer von Cyberrisiken separierten Umgebung anzufordern und direkt loszulegen. Von DIPA-Genehmigungen oder WillenserklĂ€rungen auch fĂŒr eingeschrĂ€nkte Personen nicht gesprochen. Die DeGIV – Zugangsstruktur ist die notwendige Konsequenz des auch gesetzlichen und demokratischen Anspruches, einen Weg in die digitale Welt fĂŒr alle zu ermöglichen. Nebenbei werden die positiven Effekte der Digitalisierung bei Effizienz und Wirtschaftlichkeit tatsĂ€chlich vollstĂ€ndig realisiert, was nicht der Fall ist, wenn nicht unerhebliche Teile nicht einbezogen werden (können).

6. Wenn sie sie sich fĂŒr den Freistaat Sachsen und seine Digitalisierung etwas wĂŒnschen könnten, was wĂ€re das?

Julian Schultz: Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass mehr der von uns vorbereiteten Funktionen und Möglichkeiten der Institutionen zum Einsatz kommen und man Dinge einfach mal in Sachsen ausprobiert. So verstehe ich, werden die Vorteile der sektorenĂŒbergreifenden Digitalversorgung fĂŒr jeden BĂŒrger im Wortsinn anfassbar und Steuer- und Beitragsgelder eingespart.

Thomas Bulang: Ich wĂŒrde mir vor allem wĂŒnschen, dass die fĂŒr Sachsen vorgesehenen 225 Standorte die digitalen Herausforderungen aktiv mitgestalten. Vor allem mit der notwendigen Geduld fĂŒr die durch uns nicht beeinflussbaren, langwierigen VerĂ€nderungsprozesse. Dies beginnt mit dem Platz fĂŒr ein ZugangsgerĂ€t mit einer Steckdose, an dem dann nicht nur eine Information wie bei einem Pappaufsteller, sondern ganz viel mehr geschehen kann.

Wir sind gern Teil der Digitalstrategie des Freistaates Sachsen. Dann ist schon vor 2030 alles „BESSER. SCHNELLER. SICHER“.

Christian Löffler, ScanKnowHow:

Der Diplomingenieur war 26 Jahre Vertriebsleiter der Ernst Reiner GmbH Co.KG und ist heute als Inhaber und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der ScanKnowHow als unabhĂ€ngiger Berater im Bereich von Scan- Lösungen in Self-Service-Kiosksystemen tĂ€tig.

ScanKnowHow plant und projektiert Terminallösungen und erstellt Konzepte fĂŒr den Ersatz von PostbriefkĂ€sten durch elektronische Lösungen fĂŒr Banken, Behörden, Versicherungen, Versorger, im Transportbereich und im Einzelhandel.

ScanKnowHow erstellt die technischen Lastenhefte, begleitet die Umsetzung die Vertriebskonzepte und unterstĂŒtzt die MarkteinfĂŒhrung.

Julian Schultz, DeGIV GmbH

Der studierte Elektrotechniker und international erfahrene Projektmanager hat bei der DeGIV als IT-affinem Unternehmen die Doppelrolle des Projekt- und IT-Leiters. In seiner Verantwortung wurde das ehealth-Sax-Projekt entscheidend weiterentwickelt und ein sozialdatenkonformes mobiles ZugangsgerÀt ermöglicht.

Sein Team von Experten kĂŒmmert sich vollumfĂ€nglich um den Betrieb der GerĂ€te, deren Wartung und standortindividuelle Konfiguration und das fĂŒr diese Zwecke so erstmals eingesetzte separierte FunkĂŒbertragungsnetz. DarĂŒber hinaus stellt er sich den vielschichtigen Aufgaben einer anwenderzentrierten Nutzbarkeit von Telematik, Telemedizin und digitaler Versorgungskonzepte unterversorgter Regionen in Deutschland und der Welt.

Thomas Bulang, DeGIV GmbH

Der in Sachsen geborene Krankenkassenbetriebswirt hat vielseitige Erfahrung bei verschiedenen Institutionen der Krankenversicherung Deutschlands. Er ist noch heute als Unternehmensberater tĂ€tig. Den nicht zuletzt durch die Pandemie verzögerten Auf- und Ausbau des digitalen Versorgungsnetzes der DeGIV hat er sich ebenso zur Aufgabe gemacht, wie die nachhaltige Lösung der anstehenden Themen rund um Patientenakte, Patientenrechten und der Verbesserung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Alles immer im Sinne des optimalen Nutzens fĂŒr alle Beteiligten.

Die Interaktionsplattform der DeGIV GmbH verbindet eine anwenderorientierte Digitalisierung vor allem im Sozialdatenumfeld in einzigartiger Weise. Niedrigschwelliger, diskriminierungsfreier Zugang fĂŒr alle Bevölkerungsgruppen, die Wahrung der PrivatsphĂ€re sowie eine neutrale, sektorenĂŒbergreifende, multifunktionale und dadurch höchst kosteneffiziente Servicestruktur fĂŒr Institutionen und Dienstleister.

Im Full-Service-Modell ohne Erfordernisse an Technikbesitz oder Wissen der Anwendenden werden alle Menschen ĂŒberall digital, aber niemals öffentlich. Überall wo eine Steckdose ist. Mehr als 300 standortindividuelle Digitale Servicepunkte bilden seit 2014 als Patiententerminal, BĂŒrgerterminal oder Gesundheitsterminal in einem die Grundlage fĂŒr mehr Service. Privacy – Made in Germany! 

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